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Ferndolmetschen – ein Reality Check

   

Ferndolmetschen ist derzeit ein heiß diskutiertes Thema in der Branche, obwohl es sich prinzipiell nicht um etwas wirklich Neues handelt.

Schon seit Jahren werden Telefonkonferenzen, Videokonferenzen oder Besprechungen via Skype übersetzt – oftmals mit durchwachsenem Ergebnis. Dabei befinden sich die Dolmetscher in der Regel in derselben Location wie eine der beiden Parteien. Zudem sind Live-Streams von Veranstaltungen inklusive Übertragung der Dolmetschung in zumindest eine zweite Sprache nichts Neues.

Bei der nun debattierten Variante sitzen die Dolmetscher auch für große Kongresse jedoch in sogenannten „Hubs“, in denen Dolmetscherkabinen inklusive der auf Dolmetscherseite erforderlichen Technik fix installiert sind, die sich jedoch ganz woanders befinden als die zu übersetzende Veranstaltung, meist sogar in einer anderen Stadt und mitunter in einem anderen Land. Die Dolmetscher hören die Redner mittels Internet basierter Übertragung und auch die Dolmetschung wird den Zuhörern auf diesem Weg übermittelt. Damit nicht genug, verfolgen Letztere die Übersetzung nicht über traditionelle Dolmetschempfänger, sondern über ihre eigenen Smartphones, auf denen zu diesem Zweck eigene Apps installiert werden.

Was auf den ersten Blick innovativ erscheint, erfüllt bei genauerer Betrachtung jedoch nicht die hohen Erwartungen, die Kunden von einer professionellen Dolmetscherleistung  haben:

  • Dolmetschen ist Teamarbeit. Für ein richtig gutes Ergebnis bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen Dolmetscher und Kunden, gegenseitige Fragen müssen jederzeit möglich sein, Änderungen kommuniziert und Feedback unmittelbar gegeben werden können. Dies ist nur dann möglich, wenn die Dolmetscher sich am selben Ort befinden wie die Kunden auch.
  • Dolmetscher stützen sich bei ihrer Arbeit nicht nur auf die übermittelten Unterlagen des Kunden, vielmehr fließen auch vor Ort aufliegende Materialien und Informationen (z.B. Broschüren, Ausdrucke, Ankündigungen usw.) in ihre Arbeit ein. Dies ist umso wichtiger, da in der Realität Vorbereitungsunterlagen oftmals nur eher zögerlich übermittelt werden. Bei Ferndolmetschen fällt diese Option vollständig aus.
  • Der direkte Kontakt zwischen Dolmetschern und Kunden erzeugt Beziehung, was sich im Normalfall beiderseits motivierend auswirkt. Ferndolmetschungen laufen jedoch anonym ab, man hat nichts miteinander zu tun, für die Dolmetscher ist die Veranstaltung weit weg, sie fühlen sich ihr nicht verbunden.
  • Für den Kunden birgt Ferndolmetschen hohe Risiken in mehrerer Hinsicht:
  • Vertraulichkeit ist für viele Kunden zentral. Durch die Übertragung der Dolmetschung im Internet ist es nicht mehr möglich, den absoluten Schutz der Informationen zu garantieren.
  • Bei technischen Störungen kommt die gesamte Veranstaltung zum Stehen. Mit einer traditionellen Dolmetschanlage kann ein Totalausfall ausgeschlossen werden, solange die Stromversorgung gewährleistet ist. Und selbst dann können die Dolmetscher von der Bühne aus konsekutiv arbeiten.
  • Die Verwendung der Smartphones der Zuhörer ist ein weiterer Risikofaktor. Kann die app auf jedem Gerät problemlos installiert werden? Wie kann man sichergehen, dass die Zuhörer die Dolmetschung nicht aufzeichnen und somit Copyright Gebühren anfallen?
  • Aktuell sind die wenigsten Konferenzsäle mit Steckdosen an jedem Sitzplatz ausgerichtet. Was aber, wenn durch die intensive Nutzung die Batterien von mehreren hundert Smartphones gleichzeitig aufgeladen werden müssen?
  • Auch ein anderer erhoffter Vorteil hält dem Realitätscheck nicht Stand: Dolmetscher müssen auch zu Hubs anreisen, sodass erwartete Einsparungen nicht eintreten, denn die Arbeit mit auf unterschiedliche Hubs verteilten Dolmetschteams erscheint selbst den größten Optimisten schlicht nicht mehr als ein Albtraum.

 

 

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